Wiesenhof......... und das Leiden der Hühner, Hähnchen und Puten

              Skandal 2010 unverändert genau wie 2011

Im Vorfeld der Grünen Woche 2010 in Berlin - die Funktionäre von Bauernverband, Tiermästern und auch den Tierschutzorganisationen sitzen gebannt vor den Fernsehern. Report Mainz hat den Musterknaben der Geflügelbranche ,,Wiesenhof " an den Pranger gestellt, die Bilder aus einer Hähnchenmastfarm zeigen Scheußliches. Und die Presse bundesweit meldet: ,,Nach Recherchen des ARD Politikmagazins Report Mainz am 11.01.2010 hat es in einer Wiesenhof Mastelterntierfarm gravierende Verstöße gegen Tierschutzgesetze gegeben."

Text: Sara Lowe

 

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Was war geschehen?

Der Redaktion von Report Mainz lagen Aufnahmen aus einer niedersächsischen Farm vor, die im Jahr 2009 entstanden waren. Wie in der Mast von Hähnchen oder besser Hühnern normal, leben in der Farm bei Twistringen die Tiere dicht gedrängt, ohne Tageslicht auf ihrem eigenen Kot. Dass dies nicht außergewöhnlich ist, wissen Tierschützer leider nur allzu gut.

Denn über Jahre fehlte jede gesetzliche Bestimmung und eine neue EU-Richtline brachte den Hühnervögeln keine Verbesserung. Wie läuft die konventionelle Hähnchenmast, die Basis für Hähnchenbrustfilet, Chicken-Nuggets oder auch halbe Grillhähnchen für 1,95 sind, ab?

Leiden für billiges Fleisch

Nicht nur beim Branchenprimus Wiesenhof werden speziell für die Fleischproduktion schnell wachsende Rassen verwendet. Rassen die für das favorisierte Hähnchenbrustfilet besonders viel Brustfleisch ansetzen und mit zunehmendem Alter deshalb kaum noch das Gleichgewicht halten können. Die putzigen Küken wachsen in rund 32 Tagen auf das Schlachtgewicht von 1,2-1,5 Kg heran. Sie werden geradezu Turbo gemästet um in einer Masthalle bis zu 10 Durchgänge pro Jahr zu ermöglichen. Dabei wird die Einstreu in der gesamten Zeit nicht gewechselt und ist am Ende vollgesogen mit den Fäkalien der Tiere, sie stinkt extrem und ist hochgradig mit Ammoniak und anderen Abfallstoffen belastet. Es gilt Kosten zu sparen, denn der Nettogewinn liegt bei rund 7 Cent pro Huhn. Während zu Beginn das Bild der munter umherlaufenden Küken Investoren und Politiker überzeugt, dass Hähnchenmast eine saubere Sache sei, ändert sich das Bild schnell. Bei den seltenen Besichtigungen werden die vollen Ställe am Ende der 5-wöchigen Mast nicht mehr gezeigt. Denn auf einem Quadratmeter drängen sich, ohne Tageslicht bis zu 33 Kg Masthuhn. Perfide genug spricht die Branche nicht gern von Tieren sondern von Gewicht pro Quadratmeter. Wenn man die Tiere jedoch durchzählt, so kommt man auf 24 Hühner auf dieser kleinen Fläche. Ein Zollstock auf dem heimischen Teppichboden gibt ein anschauliches Bild, wie dicht gedrängt die Tiere dort vegetieren.

Die schnelle Mast bestimmter Rassen und die extreme Enge ohne jede Möglichkeit des arttypischen Verhaltens, wie Scharren,  Picken oder die Nutzung von Sitzstangen, sorgen über die Zeit zunehmend zu schweren Schäden bei den Tieren. Eine im Auftrag des britischen Landwirtschaftsministeriums erstellte Großstudie bei Masthühnern ergab, dass rund 27 ,6 % der untersuchten Tiere schmerzhafte Schäden am Bewegungsapparat hatten. Nicht wenige dieser Tiere können am Ende nicht mehr laufen und verenden qualvoll inmitten ihrer Artgenossen. Aber auch Ekzeme an den Füßen oder schwere Gefiederschäden mit offenen Stellen sind ,, Mastimmanent". Der gesamte Anblick zeigt nichts, das man wirklich essen wollte.

Brutale Gewalt

Aber die Bilder bei Report-Mainz zeigten noch viel Schlimmeres. Mitarbeiter des Wiesenhof-Konzerns, der sog. ,,lmpftrupp", traten und schlugen ohne Grund Hühner, schleuderten sie mit brutaler Gewalt in Transportkisten. Diese Abteilung hat die Aufgabe Tiere zu impfen, bei Bedarf auch zu selektieren und arbeitet auf vielen der rund 70 Mastelterntierfarmen des Konzerns. Die entlarvenden Bilder zeigten, wie diese Mitarbeiter Hühner z.B. durch Herumschleudern, ohne vorherige Betäubung das Genick brachen. Auch die extreme Brutalität eines Verladevorgangs der Tiere für den Abtransport zum Schlachthof im Oktober 2009 dokumentierten die Bilder. Tiere wurden am Hals gepackt und mehrere Meter weit gegen Wände geworfen. Das hierbei Knochen gebrochen und Hühner schwer verletzt wurden, steht außer Zweifel.

Mutige Journalisten

Die zuständige Amtsveterinärin, Dr. Anja Eisenack sagt bei Report Mainz, dass es sich in jedem Fall um verschiedene Ordnungswidrigkeitstatbestände, vielleicht sogar Straftatbestände handle, die man nach intensiver Prüfung vielleicht sogar an die Staatsanwaltschaft übergeben wolle. Dabei jedoch dokumentiert sie die Ahnungslosigkeit vieler Amtsveterinäre. Immer  wieder, so 2009 auch im Kreis Düren, decken Tierschutzorganisationen durch mutige Journalisten extremste Missstände in der Tiermast oder bei den Legehennen auf. Angeblich Einzelfälle, doch es ist erstaunlich, wie zielstrebig Journalisten diese Einzelfälle finden und aufdecken.

Paul-Heinz Wesjohann, gibt das Bild des seriösen Unternehmers. Seine PHW-Gruppe , zu der auch Wiesenhof gehört, machte im Jahr 2008 fast 2 Mrd. Euro Umsatz. Er ist Marktführer und sagt über seine Geflügelproduktion: ,,Wir kontrollieren die gesamte Produktionskette. So verhindern will dass uns etwas untergejubelt wird, was wir nicht haben wollen." So schlüpfen alleine in der größten seiner acht Brütereien aus den künstlich bebrüteten Eiern 2,7 Mio. Küken - pro Woche. Wiesenhof ist die Nr. 1 und 80% der Verbraucher, so die Morgenpost, kennen die Marke. Doch nun wurde Wesjohann und Wiesenhof nichts von außen,, untergejubelt", sondern von innen zeigen sich die Fehler des Systems ,,intensive Geflügelmast". Mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärt die Geschäftsleitung Report Mainz gegenüber schriftlich, dass die in dieser Farm dokumentierten Verstöße gegen Tierschutznormen absolut inakzeptabel seien. Das Unternehmen habe personelle Konsequenzen bei den Hauptverantwortlichen gezogen.

Doch was bedeutet das? Angesichts der Probleme für in intensiver Mast gehaltener Hühner ist der Verzehr von Fastfood, Grillhähnchen und Billigfleisch immer abzulehnen und der Verbraucher kann nun nicht mehr sagen, dass er nicht wisse, was hinter der Marke Wiesenhof steckt.

 

LINK: Schon im Jahr 2010 gab es einen Wiesenhof-Skandal.

 

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